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Puch 500 Combi (500 P)

Verfasst: Sa 12. Feb 2022, 17:00
von erik
Der Puch 500 Combi ist annaehernd so alt wie das Puchauto selber. Meine Unterlagen reichen bis Anfang 1958 zurueck.
Aber was ist das ueberhaupt fuer ein Puch?
Der erste Denkfehler ist meistens, dasz es sich um einen Kombi handelt, wie wir ihn vom Modell 700 C kennen.
Allerdings war er wie ein 500er PKW, mit einer anderen Ausstattung.
Die Liste der Ausstattungsnummern nennt im Jahr 1959 an der ersten Stelle einen 2er fuer den Typ mit Faltdach und einen 5er mit Blechdach. Letzterer wurde als 500/D-Combi bezeichnet, eine Bezeichnung welche man allerdings sonst nicht schnell wiederfindet.
1961 wird in der Liste zur Unterscheidung die zweite Stelle herangezogen:
4. Combiausruestung
5. detto mit Frischluft
6. detto mit Scheibenwaschanlage
7. alles zusammen

In der Ersatzteile-Ergaenzungsliste von Juli 1959, welche mit Erscheinen der "D"-Modelle ausgegeben wurde, sucht man vergeblich nach Informationen zum Combi. Das ist dahingehend verwunderlich, da die Ausstattungsvariante fuer den ÖAMTC sehr wohl behandelt wurde.
Auch in den Technischen Mitteilungen (KD) findet man keine weiterfuehrenden Hinweise, im Gegenteil, es wird von PKW und Combi geschrieben, ohne den 700 C klar zuzuordnen.

Wenn wir den Typenschein (bei mir ein Druck von 1963) zur Unterscheidung heranziehen, so finden wir eine Nutzlast von 180kg eingetragen, der zusaetzliche Text nennt die wahlweise Befoerderung von:
a) 4 Personen (wie beim normalen PKW) oder
b) 2 Pers. vo. und Gueter hinten, wobei zwischen dem Lenkersitz und dem Gueterraum eine Trennwand angebracht ist.
Das warn die damals üblichen Anforderungen fuer derartige Nutzfahrzeuge.
Auszerdem wird die Art des Fahrzeuges, so wie auch in der techn. Zeichnung (Genehmigungsdatum 18.4.1958) wo auch die "Schutzgitter" eingezeichnet sind, als Kombinationskraftwagen (sonst Personenkraftwagen) angegeben.
Als Typisierungsfahrzeug wird die Fgst.nr. 5102149 von 1958 herangezogen. Die Motornummer wird ident angefuehrt, was offensichtlich ein Fehler ist, wie uns die Wagenstammkarte (Fzg. 500.7662, ein grauer 500er von 2/1958) zeigt.

Aufgrund des eigenen Prospektblattes, welches Steyr-Puch 1958 herausgab, kann man sehen, dasz "Handel, Gewerbe und Industrie" angesprochen wurde und als Argument eine bis zu 60 prozentige Abschreibung mit dem "Wagen fuer Blitztransporte" in Aussicht gestellt wurde.
Sieht man sich jedoch weitere Wagenstammkarten an, so wird schnell klar, dasz die oesterreichische Post der Hauptabnehmer dieser Fahrzeuge gewesen sein musz (siehe auch Erstzulassungsstatistiken unten).
Diese Karten lesen sich ueber eine Zeitraum von einem Jahrzehnt sehr spannend, zahlreiche Eintraege finden sich in der Spalte "Ausfuehrung" (in Klammer meine Kommentare):

- Combiausfuehrung (obligatorisch)
- Gitter a.d.hinteren Seitenfenstern (im Typenschein nicht ersichtlich)
- Handbremsschutz
- rechter Auszenspiegel
- 1 Sonnenblende (die Transportgueter warn dem gleiszenden Licht ausgesetzt:-)
- ohne Sitzbank, re.Sitz, Oelkuehler, Lattenrost rueckw. u.rechts (besonders, dasz die Ueberbrueckung des Oelkuehlers 501.1.07.051.2 zur Anwendung kam fasziniert mich)
- Polyesterdach (bei Mod.Europa)

Auszerdem gibt es Farbinformationen:

- Felgen schwarz
- postcreme 1966/68 (besonders auffallend Fzg 504.8865 mit dem Hinweis "Fzg zerlegt - postcreme lackiert")
- elfenbein 234 innen/postcreme auszen 1969 (btw: mit Pirelli Bereifung ausgeliefert)
- postgelb 1969
- postcreme 221 1970/72
- tahitigelb 276 1972 (letzte mir bekannte Auslieferung: 13.11.1972)

Ja, "Auskenner" werden jetzt kurz ueberlegt haben - denn sowohl Baujahr, als auch Fiat-Farbcode weisen auf die letzte Produktion des Puch 500/500S hin.
Der Innenraum bei diesen Fahrzeugen war stets beige bzw. spaetestens 1972 in braun gehalten.
Polyesterdach und fehlender rechter Sitz bzw.hintere Sitzbank/Lehne wurden beibehalten, der Zusatz "Combi Ausfuehrung" und weitere Ausfuehrungsabweichungen sucht man jedoch vergebens.
Dafuer wurde am 19.2.1970 beim Bundesministerium eine Typenscheinpruefung fuer das Modell 500 P (mit 16PS) beantragt und innerhalb einer Woche bescheinigt.
Die Art des Fahrzeuges lautet nun Lastkraftwagen und die Nutzlast betraegt nun 330kg, dafuer darf ausser dem Lenker keine weitere Person mehr befoerdert werden.
Man darf davon ausgehen, dasz Steyr-Puch das Kuerzel "P", wie bei der Zweiradproduktion, fuer die Post-Varianten waehlte.

Dazu abschlieszend, hat Fzg 505.3306 noch eine Besonderheit aufzuweisen - Im Auftrag der Post wurde *mit* rechtem Sitz und Sitzbank/Lehne ausgestattet.
Es wird auch vom "PKW" geschrieben - tja, Puch war immer fuer Spezialgeschichten und Ueberraschungen zu haben - wie auch bei den Fahrzeugen von 1970 ein Solex 40PID Vergaser angefuehrt ist:-)

Nachdem die Post eigene Uebersichtsblaetter fuer die Fahrzeuge fuehrte, kann man sehen, dasz, wie auf den Typenscheinen, sowohl Wiener Kennzeichen, als auch PT (Post- u. Telegraphenverwaltung) Kennzeichen pro Fzg. angefuehrt sind.
Dort finden wir auch die Anschaffungskosten, zb ATS 27168,10 fuer ein Fahrzeug vom 28.4.1964, ansonsten entsprechen die Eintraege den bekannten Informationen des Werkes, einzig die Beschreibung der Dachgalerie, mit den Dimensionen l:920mm, b:900mm, h:55mm, ergaenzt.

Die Post-Fahrzeuge aller Bundeslaender (angefuehrt sind stets die Landeshauptstaedte) wurden als Erstbesitz in Wien gefuehrt (Bundesministerium f.Verkehr Post, Post Generaldirektion Wien oder einfach nur Post Postgasse 8 1011 Wien).

Bei den oesterr. Erstzulassungsstatistiken fuer Puch 500 sind folgende Nutzfahrzeuge (Bezeichnung bis 1960, danach LKW) gelistet, die der Post u.Bahn separat (in Klammer):

1957: 2 (keiner)
1958: 19 (18)
1959: 72 (71)
1960: 43 (41)
1961: 50 (44)
1962: 45 (42)
1963: 42 (alle)
1964: 30 (alle)
1965: 44 (42)
1966: 17 (15)

danach sind mir leider keine Zahlen bekannt.

Zu spaetem (zweifelhaftem) Ruhm gelangte das Combimodell, als die Kurzparkzone vergangenes Jahrtausend in Wien erstmals ausgeweitet wurde.
Gewebetreibende durften nur fuer "Nutzfahrzeuge" ein Parkpickerl beantragen. Das bedeutete ein "normaler" Puch 500 war ausgeschlossen, der Puch 500-Combi hingegen wurde akzeptiert.
Vielleicht laesst ja die aktuell anstehende Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung in Wien jetzt wieder ein paar 500-Combi aus der Versenkung auferstehen?
Also Vorsicht, wenn jemand einen "ueberteuerten Combi" angeboten bekommt, koennte es sich um eines dieser seltenen Exemplare handeln:-)
Aber Achtung: Es gab auch 700 C bei der Post...

Erik Teichmann
PS: Besonders wuerde es mich freuen, wenn zu diesem Beitrag noch weitere ergaenzende Informationen kommen, insbesondere Informationen zum Verbleib der Fahrzeuge (abgesehen von dem bei der Oldtimermesse Tulln 1997 ausgestellten PT-Fzg welches ich organisierte:-)

Re: Puch 500 Combi (500 P)

Verfasst: Di 15. Feb 2022, 20:05
von constantin
Guten Abend,

danke Erik für die interessante Zusammenstellung! Den Combi-Prospekt kann man sich u.A. hier ansehen:
http://sdp.haflinger-4wd.com/puch-500/b ... 500-02.php

Hier noch ein Bild aus einer Kärtner Dia-Sammlung, aus der ich einige Aufnahmen digitalisieren durfte:

Bild

Dieser Post-Puch (vermutlich ein Combi?) wurde ganz offensichtlich bei der Evangelischen Kirche Eggen am Kraigerberg aufgenommen. Nähere Informationen zum Bild sind aber leider nicht mehr verfügbar.


Schöne Grüße,
Constantin